Update: 10.03.2011

Walhalla, Bismarck und Hindenburg
Der Bismarckturm in Lauf

Vorgeschichte

Der bayerische König plante im 19. Jahrhundert auf dem 599 m hohen Moritzberg die Walhalla zu bauen. Diese Pläne scheiterten, wie auch ein später geplantes monumentales Nationaldenkmal auf dem Moritzberg.


Bauplanung

Am 11.06.1899 wurde der Verschönerungsverein Moritzberg (VVM) mit dem Ziel gegründet, einen Turm als Aussichtspunkt zu errichten.

Der Bauplatz auf dem Moritzberg wurde dem Verein von der Familie Fürer aus Haimendorf kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Jahr 1903 führte das Haimendorfer Bauerntheater einen Schwank mit dem Titel "Immer wieder etwas Neues" auf, in dem es inhaltlich um den Turmbau ging. Am 08.11.1903 wurde bei einer Ausschusssitzung des VVM beschlossen, den Turm als Bismarckturm oder Bismarcksäule zu errichten.

Zu diesem Zweck trat der VVM mit dem Verein zur Errichtung eines Bismarckturmes bei Nürnberg zusammen, um diesen für die Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Moritzberg zu begeistern. Doch der Nürnberger Verein beabsichtigte selbst eine Bismarcksäule nach dem Entwurf Götterdämmerung (Rechenberg) zu errichten und hielt bis mindestens Frühjahr 1906 an diesem Plan fest (letztendlich wurde 1915 ein Bismarck-Reiterstandbild am Prinzregentufer gebaut).

Aufgrund eines großzügigen Darlehens (wurde später in eine Schenkung umgewandelt) von Frau Kommerzienrat Conradty aus Röthenbach konnte der Turm errichtet werden.


Bauarbeiten

Entworfen wurde dieser Aussichtsturm ohne Feuerschale von den Architekten David Röhm und Theodor Eyrich. Der Bau wurde am 20.07.1910 begonnen. Bei der Einweihung des Turmes am 14.11.1911 war das Bauwerk nicht fertiggestellt.

Im Jahr 1913 mussten die Bauarbeiten wegen Geldmangels unterbrochen werden, der Turm wurde mit einem Notdach (Gesamthöhe nun 21 m) versehen. Ursprünglich war eine Bauhöhe von 26,5 m geplant.

Entgegen der ursprünglichen Planung wurde der Turmkopf wegen Geldmangels nicht in Fachwerk und mit spitzem Dach erbaut, sondern mit einem Holzdach versehen.

Die geplante Höhe wurde nie erreicht, ebenfalls wurde während des Baus der Querschnitt verkleinert. Die vorhandenen Geldmittel von 40.000 Mark waren erschöpft.


Beschreibung des Turmes

Der Hauptzugang des Turmes (Ostseite) befindet sich in einer Halle und ist ebenerdig zu erreichen. Ein Ausgang führt zum außen angelegten Turmaufgang auf der Nordseite. Dieser führt in einer 90°-Drehung in ein im Westen in den unregelmäßig viereckig aufgeführten Turm angelehntes rundes Türmchen (Apsis).

Über der großen Halle liegt ein Raum, oberhalb dieses Raumes verjüngt sich der Turm mit einer scharfen Abschrägung auf der Ostseite.

In 21 m Höhe endete der Turm mit einem Holzaufbau und stumpfen Dachansatz (Stand: 1913).


Geschichte des Turmes

Am 28. Juli 1918 wurde der Turm in Hindenburgturm umbenannt, da im fränkischen Lauf, im Gegensatz zu anderen Orten, der ehemalige Reichskanzler nicht mehr populär war.

Im Jahr 1934 überließ man die ausgebauten Räume der Hitler-Jugend.

Christian Woesch regte 1958 eine Turmerhöhung an, nachdem der Holzaufbau schadhaft war und saniert werden musste. Mit Hilfe von finanziellen Zuwendungen der bayerischen Regierung, den umliegenden Landratsämtern und Gemeinden sowie Spenden von Heimat- und Wanderfreunden von insgesamt 52.000 DM konnte der Turm in den Jahren 1962 bis 1964 auf 30 m erhöht werden, der Turmkopf wurde als Fachwerk-Konstruktion (entworfen von Architekt Stolz, in der Ausführungsweise abweichend von den ursprünglichen Plänen) angelegt.

Die Einweihungsfeier des aufgestockten Turmes wurde am 09. August 1964 durchgeführt. Von nun an diente er auch zur Funkversorgung im Großraum Nürnberg (1982 wurde ein Antennenmast für den Polizeifunk installiert).

Nach einer Gebietsreform im Jahr 1972 gehört der Turm samt Grundstück zur Gemeinde Röthenbach/Pegnitz.

Wegen Verwitterungserscheinungen wurde der Aussichtsturm in den 1970er Jahren mit Eternit verkleidet.

Eine aufwändige Innensanierung erfolgte in den Jahren 1984 und 1985. Im Jahre 1996 griff man den Gedanken erneut auf, den Turm weiter aufzustocken, da die Aussicht von den umliegenden Bäumen teilweise versperrt war, doch die Pläne scheiterten. Zwei Jahre später musste das Bauwerk wegen Einsturzgefahr geschlossen werden.

Erst am 28. April 2005 wurde der Turm nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten wieder für Besucher eröffnet.

Eine Jubiläumsfeier (100 Jahre Bismarckturm) wird im Jahr 2011 nicht veranstaltet, diese ist für das Jahr 2013 avisiert (vorläufiges Ende der Bauarbeiten vor dem 1. Weltkrieg).


Öffnungszeiten

An Sonn- und Feiertagen bei gutem Wetter von Mai bis Oktober. Von Mittwoch bis Samstag kann der Turmschlüssel an der Moritzberggastätte zu den Öffnungszeiten ausgeliehen werden.

Der Turm-Schlüssel kann bei Gruppenanmeldungen bei den Vorstandsmitgliedern des Verschönerungsvereins Moritzberg gegen Pfand ausgeliehen werden [E-Mail: info (at) verschoenerungsverein-moritzberg.de].


Links

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Wegbeschreibung (Übersichtkarte vom Verschönerungsverein Moritzberg)

Verschönerungsverein Moritzberg


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 243-244
- Seele, Sieglinde, Mannheim: Archiv Seele: "BISMARCK-TURM auf dem MORITZBERG (Bayern)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 9, S. 2)
- 100 Jahre Verschönerungserein Moritzberg und Umgebung e.V. (Broschüre 1999)


Anmerkung: Auf der Abbildung (2 v. links unten) ist der ursprüngliche geplante Entwurf abgebildet, der nie realisiert worden ist. Auf der AK unten links ist die projektierte, aber nie realisierte Bismarcksäule in Nürnberg zu sehen.