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Update: 05.01.2010
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| Friedens- statt Bismarckwarte Die Bismarckwarte in Brandenburg Johann-Gottlieb Bröse sorgte Ende des 19. Jahrhunderts für die Anlage von Spazierwegen und die gärtnerische Verschönerung der ehemals kahlen Bergkuppe. Durch eine Stiftung wurde um 1907 ein Gartenarchitekt finanziert, dessen Entwurf durch den Brandenburger Garteninspektor Keßeler nach dem Vorbild italienischer Renaissance-Gärten umgearbeitet wurde (u.a. Terrassengarten, Steingarten, künstliche Quelle, Pergola, Aussichtspunkte usw.). Der Brandenburger Spielzeugfabrikant Ernst Paul Lehmann regte am 28.03.1903, beim Deutschen Abend der Brandenburger Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins, den Bau einer Bismarckwarte auf dem Südhang des Marienberges an. Am 12.02.1905 gab er diesen Vorschlag an die Stadtbehörde weiter und bot dieser ein in seinem Eigentum befindliches Grundstück auf dem Südhang des Marienberges kostenlos an. Er stellte dazu die Bedingung, dass auf dieser Warte jährlich am 01. April zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers ein Bismarckfeuer brennen sollte. Zudem sollte die Aussicht auf das bereits 1874 auf dem Marienberg errichtete Kriegerdenkmal (neogotischer Aussichtsturm zur Ehre der Gefallenen der Kriege 1864-1871 nach einem Entwurf von Hubert Stier gebaut und ca. 1945 abgebrochen) nicht eingeschränkt werden. Zudem sagte er eine Spende von 10.000 Mark für die Gartenanlagen auf dem Marienberg zu. Die Stadtverordneten nahmen das Angebot an und gründeten eine städtische Kommission zur Errichtung der Bismarckwarte. Vertreter nationaler Vereine bildeten am 25.02.1905 einen Finanzausschuss, der im März einen "Aufruf zur Errichtung einer Bismarckwarte" startete, um Spendenmittel zu sammeln. Dieser Ausschuss bestellte 150 Vertrauensmänner, die in einzelnen Bezirken aktiv für die geplante Warte Spenden sammelten. Bereits am 01.04.1905 wurde mit Genehmigung der städtischen Kommission der Grundstein im Rahmen einer Feier gelegt. Bis Ende 1907 wurden ca. 13.000 Mark an Spenden gesammelt. Insgesamt spendeten 3.000 Bürger der Stadt Brandenburg sowie "auswärtige Freunde" für die Bismarckwarte. Durch Stiftungen erhöhte sich die Spendensumme um weitere 1.950 Mark. Alle für den Bau verwendeten Findlinge (204 m³ im Wert von ca. 4.100 Mark) sowie 325.000 Hintermauerungssteine (Ziegel) wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Entwurf der Warte stammt von Professor Bruno Möhring aus Berlin, der gleichzeitig auch leitender Baumeister war. Die städtische Kommission änderte den Entwurf des Architeken in "wichtigen Punkten" ab, sodass am 26.01.1906 die Genehmigung des Baus erfolgte. Aus dem Finanzausschuss heraus wurde nun ein Bauauschuss unter Vorsitz des Postdirektors Lohmann gebildet. Die bis 1908 errichtete Bismarckwarte bestand aus einem inneren Turmkern aus dunklen Rathenower Formziegeln. Als Außenbaumaterial wurden Granitfindlinge (zum großen Teil von den Granitwerken Ackermann in Weißenstadt) verwendet. Als Grundstein wurde ein Granitfindling vom Marienberg benutzt. Sowohl der linke als auch der rechte Pfeiler des zweiläufigen Treppenaufganges zeigte jeweils das Bismarck-Wappen. Am Ende des Treppenaufgangs, flankiert von zwei Pfeilern mit aufgesetzten Kandelabern, erreichte man den Denkmalsplatz, auf dessen Boden die Inschrift "In trinitate robur" zu lesen war. Oberhalb des rückseitigen Einganges war die Inschrift "GETREUE/BRANDENBURGER/IHREM/BISMARCK" angebracht. Über Treppen konnte man die Aussichtsplattform unterhalb der Feuerschale erreichen. Die vier Granitsäulen auf der Plattform trugen die quadratische, kupferne Feuerschale mit der umlaufenden Inschrift (jeweils ein Wort): "BISMARCK; HIE GUET; BRANDENBURG; ALLEWEGE". Über Treppen konnte man die unterhalb der Feuerschale liegende Aussichtsplattform erreichen. In einer Nische auf der Vorderseite war eine von Hugo Lederer/Berlin aus Muschelkalkstein gefertigte Bismarckbüste eingearbeitet. Im Innern des Bauwerkes befand sich eine Gedenkhalle. Der Turm war reizvoll eingebettet in eine Terrassenanlage mit Rosengarten, Brunnenlaube und -becken. 1958 wurde die Bismarckwarte aus ideologischen Gründen in Friedenswarte umbenannt. Die Büste Bismarcks wurde durch eine Friedenstaube ersetzt. Am 22.03.1974 um 11:45 Uhr wurde die in der Stadt Brandenburg sehr beliebte Warte gesprengt. Die Sprengung war vorher zur Geheimsache gemacht worden, da man den Protest der Bevölkerung fürchtete. 400 Sprenglöcher wurden mit 4 Ztr. Sprengstoff versehen und mit Kieferreisig verdichtet. Der Sprengmeister äußerte direkt nach der Sprengung gegenüber der lokalen Presse: "Dieses Denkmal hätte noch mehrere hundert Jahre gestanden!" Eine Sanierung der Warte hätte nach Angaben der SED zwei Jahre gedauert und 200.000 Mark gekostet. Ziel war laut dem Wettbewerbsprogramm "Schöner unsere Stadt - Mach mit!" bis zum 25. DDR-Geburtstag u.a. die "Wiederherstellung und Modernisierung der bauaufsichtlich gesperrten Friedenswarte". Hinter diesem Text vom 31.01.1974 verbarg man die bereits beschlossene Sprengung des Bauwerkes. Im Laufe des Jahres 1974 entstand die jetzt noch erhaltene neue Friedenswarte als 32,5 m hohe Beton-Stahl-Konstruktion mit zehn Plattformen (davon fünf offene). Der Unterbau der Friedenswarte wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem ehemaligen Unterbau der Bismarckwarte (Feldsteine) neu errichtet. Im Jahr 2001 wurde bei Straßenbauarbeiten am Wiesenweg in Brandenburg der Inschriftstein mit der Inschrift "BISMARCK" wiedergefunden (s. Foto links, 3. v.u.). Im Jahr 2006 wurde die Friedenswarte saniert. Der aufgefundene Inschriftstein wurde in die Friedenswarte integriert. Link: Dank an Sieglinde Seele aus Mannheim für Informationen! Dank an Christoph Kloth aus Halle/Saale für Infos. |
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