Update: 02.02.2012

Als Feuersäule und Wasserturm konzipiert
Der zweite Bismarckturm in Senftenberg

Bei dem Turm in Senftenberg-Paradies (später Senftenberg-Hörlitz, ab 2001 Gemeinde Schipkau) handelte sich um einen der wenigen Bismarcktürme, welcher bereits bei der Erbauung als Wasserturm konzipiert wurde.


Bauplanung

Bereits im Jahr 1903 wurde geplant, den hölzernen Bismarckturm auf dem Koschenberg durch einen massiven Bismarckturm zu errichten.

Es wurde ein Komitee zwecks Realisierung des Vorhabens gebildet. Mitglieder dieses Turmbaukomitees waren u.a. der Landrat des Kreises Calau, Graf Karl Alphons von Pourtalès (1861-1930), Regierungsbaumeister Roscher und Bergwerksbesitzer Max Schöppenthau.

Auf einer Versammlung Mitte März 1903 wurde in einer einberufenen Versammlung die Standortfrage lebhaft diskutiert.

Im Mai 1903 wurden im gesamten Kreisgebiet Listen zur Zeichnung von Spendenbeiträgen für den Bau eines Bismarckturmes ausgelegt.

Im Frühjahr 1904 wurde der Plan, den massiven Turm auf dem Koschenberg zu errichten, aufgegeben. Die bereits gesammelten Gelder wurden an die Spender zurückgegeben.

Der Senftenberger Kriegerverein regte im Jahr 1907 erneut an, auf dem Koschenberg einen massiven Bismarckturm zu bauen. Zur Ausführung dieses Planes kam es wiederum nicht.

Die Anfang März 1912 gegründete Niederlausitzer Wasserwerksgesellschaft plante kurz nach ihrer Gründung, einen Wasserturm bei Hörlitz, der zugleich als Bismarckturm fungieren sollte, zu errichten. Im Bereich Niederlausitz sollte durch den Turm eine zentrale Wasserversorgung aufgebaut werden, da der Grundwasserspiegel durch den Bergbau abgesenkt worden war.

Architekt A. Bender aus Dresden entwarf einen runden Wasserturm.

Die Kosten für den Turmbau wurden von mehreren Gesellschaftern getragen.


Bauarbeiten

Die Bauausführung erfolgte durch Johann Odorico von der Fa. Wortmann aus Dresden. Als Baumaterial wurde Eisenbeton und Ziegel verwendet.

Mitte Juni 1913 waren die Bauarbeiten bereits gut vorangeschritten, sodass der Turm bereits am 01.04.1914 eingeweiht und in Betrieb genommen werden konnte.


Turmbeschreibung

Dieser mit 42,8 m hohe Bismarckturm wurde als Wasserturm und Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit errichtet.

Der runde Turm bestand aus einem Eisenbetongerippe mit dazwischen gespannten Umfassungswänden aus 13 cm starkem, mit Flacheisen bewehrtem Ziegelmauerwerk. Der 6,50 m hohe Unterbau besaß einen Durchmesser von 13 m.

Der leicht zurückgesetzte Mittelbau mit einem Durchmesser von 10,20 m war zwischen dem unteren und oberen Austritt in fünf Abschnitte (Etagen) unterteilt. Die Höhen der Etagen betrugen 6 m, zwei Mal 5,80 m und zwei Mal 6,75 m. In der obersten Etage war der Wasserbehälter (Durchmesser 8,20 m) installiert. Der Behälter fasste 350 m³ Wasser und diente dazu, die Schwankungen des Wasserbedarfs zu regeln und auszugleichen.

Der leicht zurückgesetzte, 5,20 m hohe Aufbau oberhalb des Mittelbaus hatte einen Durchmesser von 8,70 m.

Über den Eingang auf der Ostseite des Turmes gelangte man in den Unterbau des Turmes. Über eine mittige Treppe erreichte man den unteren Umgang des Turmes oberhalb des Turmsockels.

Eine Innentreppe führt über fünf Etagen (in der oberen Etage um den Wasserbehälter herum) zum oberen Austritt. Die Kuppel des Turmes war mit einem Feuerbecken (Durchmesser 2,50 m, Tiefe 0,80 m) versehen.

Oberhalb des Eingangs war ein bronzenes Bismarck-Medaillon mit Lorbeerkranz angebracht, welches 1913 in Lauchhammer gegossen worden war.


Geschichte des Turmes

Der Wasserturm diente 50 Jahre lang zur Trinkwasserversorgung in Senftenberg und Umgebung. Da der Tagebau Meuro immer näher an den Bauplatz des Turmes rückt, wurde 1963/1964 beschlossen, dass das Bauwerk dem Tagebau weichen musste.

Der Bismarckturm wurde am 20.01.1965 gesprengt. Das Gelände (Feld Hörlitz) wurde vom Vorabschnitt des Tagebaus Meuro überbaggert.

Nahe des ehemaligen Standortes (seit 2001 nach Eingemeindung zur Gemeinde Schipkau gehörig) wurde im Jahr 2004 ein 33,5 m hoher Aussichtsturm mit einer Aussichtsplattform in 27 m Höhe errichtet, welcher an den ehemaligen Wasserturm erinnern soll.


Links

Google Maps (ehemaliger Standort, in Kürze)

Google Earth (ehemaliger Standort, in Kürze)

Tagebau Meuro (mit Abbau-Karte)

Aussichtsturm Hörlitz


Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 364
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-TURM von SENFTENBERG (Brandenburg)
- Becher, Bernhard und Hiller: „Die Architektur der Förder- und Wassertürme“, München 1971, S. 382