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Update: 20.10.2011
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20.000 Personen bei der Einweihung Die Bismarcksäule in Wittmar auf der Asse Bauplanung In der 2. Jahreshälfte 1898, kurz nach dem Tode von Otto von Bismarcks, regte die Studentenschaft der Herzoglich Technischen Hochschule Carola-Wilhelmina in Braunschweig den Bau einer Bismarcksäule an. Eine erste Spenden-Sammlung brachte einen Grundfonds von 3.000 Mark ein. Anfang Januar 1899 spendete der Regent des Herzogtums Braunschweig, Prinz Albrecht von Preußen (1837 1906), 500 Mark für den Bau einer Braunschweigischen Bismarcksäule. Die Studentenschaft übergab die weiteren Maßnahmen an den für den Zweck des Baus gegründeten geschäftsführenden Ausschuss, der aus etwa achtzig patriotischen Männern aus dem Herzogtum Braunschweig bestand. Vorsitzender des Ausschuss war Prof. Dr. Ludwig Viereck aus Braunschweig, Ehrenvorsitzender der Braunschweigische Staatsminister Dr. jur. Albert von Otto (1836 1922). Die Studentenschaft wurde im Ausschuss durch zwei Personen vertreten. Am 14.05.1899 sprach sich der Ausschuss einstimmig für den Bau einer Bismarcksäule nach dem Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis aus. Als Bauplatz wurde nach Abstimmung über den Thieder Lindenberg und die Asse der Bauplatz auf der Asse (227 m über NN) festgelegt. Der Assener Verschönerungsverein (heute: Heimat- und Verkehrsverein Asse) hatte sich zuvor für den Standort Asse eingesetzt und 605 Mark für die Säule gespendet. Die Kosten für eine 20 m hohe Bismarcksäule wurden auf 30.000 Mark geschätzt. Bisher waren etwa 15.000 Mark an Spenden gesammelt worden. Im Juni 1899 wurde vom geschäftsführenden Ausschuss ein offizieller „Aufruf zur Errichtung einer Bismarcksäule auf der Asse“ veröffentlicht, in dem zu weiteren Spenden im gesamten braunschweigischen Land aufgerufen wurde. Anfang November 1899 sollte von Landwirt Isensee aus Wittmar der benötigte Baugrund käuflich erworben werden. Da man auch Raum für Volks- und patriotische Feste benötigte, wurde eine Fläche von 74,09 Ar (entspricht ca. 3 Morgen) für 1.574,25 Mark von Landwirt Isensee gekauft. Dieser überließ dem Ausschuss den Bauplatz des Turmes kostenlos. Im Grundbuch Wittmar wurde das Grundstück auf das Ausschussmitglied Johannes Merckel (Steuerinspektor aus Wolfenbüttel) eingetragen. Mit dem Landwirt Isensee wurde ein Vertrag über die Lieferung von Bausteinen aus den Asse-Steinbrüchen, ca. 200 m vom Bauplatz entfernt, abgeschlossen. Am 31.03.1900 fand ein Bismarck-Kommers statt, dessen Reinertrag dem Bau der Säule zu Gute kam. An der Grundsteinlegung am 17.06.1900 nahmen trotz schlechten Wetters 3.000 Personen teil. An der Säule hatten sich zahlreiche Vertreter der Studentenschaft, der Braunschweiger Staats- und städtischen Behörden, Vertreter heimischer Vereine, Offiziere und Bürger versammelt. Die Festrede von Realschuldirektor Prof. von Hörsten aus Wolfenbüttel musste wegen des anhaltenden Regens verkürzt werden. Bis zur Grundsteinlegung waren 20.000 Mark an Spendengeldern in Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt und Umgebung für den Bau der Säule gesammelt worden. Der Landtag in Braunschweig genehmigte einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Mark. Die Gesamtkosten für den Bau betrugen letztendlich 38.000 Mark, die Landesregierung hatte nachträglich nochmals 8.000 Mark beigesteuert. Bauarbeiten Als Baumaterial wurden Muschelkalkstein und Dolomit verwendet, die an Ort und Stelle an der Asse (Eigentümer: Heinrich Isensee) gebrochen wurden. Der Unterbau und der Turmkopf wurden aus weißem Kalkstein, der Turmschaft aus gelbem Dolomitstein gebaut. Die Bauleitung übernahm Architekt Wilhelm Kreis. Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister August Moss aus Braunschweig. Direkt nach der Grundsteinlegung wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Zuerst arbeiteten deutsche, später italienische Arbeiter an der Baustelle. Turmbeschreibung Die 24 m hohe Bismarcksäule als Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen quadratischen Grundriss. Als Basis des Turmes dient ein zweistufiges quadratisches Podest. Die untere Podeststufe ist 14,40 m x 14,40 m, die obere Stufe 11,08 m x 11,08 m breit. Darauf erhebt sich der quadratische Turmsockel mit einer Kantenlänge von 7,81 m x 7,81 m. Die untere Podeststufe ist umlaufend 1,00 m hoch und oben mit 20 cm hohen Steinplatten (auf jeder Seite ca. 11 cm auskragendend) versehen. Die obere Podeststufe ist 0,90 m hoch und ebenfalls umlaufend mit 20 cm hohen Steinplatten bedeckt. Die untere Podeststufe ist 1,72 m, die oberen Podeststufe 1,66 m tief. Eine 1,83 m breite Treppe auf der Eingangsseite (Nordseite) mit dreizehn Stufen, beidseitig begrenzt durch jeweils 0,70 m breite Wände, auf denen Handläufe angebracht sind, führt mittig über die beiden Podeststufen zum Eingangsbereich des Turmes auf der zweiten Podeststufe. Die 2,18 m x 1,20 m große Eingangstür wurde 0,63 m tief innerhalb des Turmsockels eingelassen. Der Türsturz hat eine Breite von 1,50 m und ist 0,30 m hoch. Der quadratische Turmsockel hat eine Kantenlänge von 7,81 m x 7,81 m. Oberhalb des Sockels, als Übergang zum eigentlichen Turmschaft ist eine 7,11 m x 7,11 m breite und 0,5 m hohe Absatzstufe aufgesetzt. Oberhalb des Einganges ist mittig am Turmschaft als einziger Schmuck ein Reichsadlerrelief mit Bismarckwappen angebracht, welches von Wilhelm Kreis entworfen und von Bildhauer Bayern aus Braunschweig gefertigt worden ist. Direkt über dem Eingang ist ein Postament angebracht, auf welches später eine Bismarck-Statue aufgestellt werden sollte (wurde nie realisiert). Die vier Kanten des Schaftes bestehen - wie bei dem Entwurf "Götterdämmerung" typisch - aus wuchtigen Dreiviertelsäulen, die von einem Architrav mit zweistufigem Oberbau zusammengehalten werden. Die Breite der Mittelflächen zwischen den Säulen beträgt jeweils 1,50 m. Auf allen Seiten, von der Eingangsseite abgesehen, ist zwischen den Dreiviertelsäulen auf gut halber Höhe ein 1,50 m breites Gesims angebracht. Ein plastisch hervorspringendes umlaufendes Band ziert im oberen Bereich des Turmschaftes das Bauwerk. Die Säulenschäfte weisen außer auf der Eingangsseite - auf jeder Seite mittig zwei übereinanderliegende Fensterschlitze auf, auf der Ost- und Westseite in gleicher Höhe, auf der Südseite sind die Fensterschlitze tiefer eingelassen. Die Kanten des oberen Aufbaus sind nicht abgerundet, sondern zu Rechtecken abgeflacht und bilden dadurch gesamt ein unregelmäßiges Achteck. Über eine Steinwendeltreppe mit 123 Stufen erreicht man die Aussichtsplattform mit flachem Feuerbecken aus Beton. Die Feuervorrichtung bestand ursprünglich aus 16 Feuertöpfen aus Eisenblech (8 große, 5 mittlere und 3 kleine Töpfe), welche pyramidenartig auf dem Feuerbecken aufeinandergestellt wurden. Die Töpfe wurden mit einer Mischung (entwickelt von Stadtrat Lange) aus 9 kg Talg, 1,83 kg Petroleum, 1 kg Kienöl, 0,5 kg Rüböl sowie Holzspänen befüllt. Das Gemisch wurde zu einer festen Masse verrührt und angezündet. Die Brenndauer betrug vier Stunden bei einer Flammenhöhe von 5 m. Turmgeschichte Am 20. Oktober 1901, dem Einweihungstage, kamen bei sehr gutem Wetter 20.000 patriotische Bürger zur Feier. Neben den Lehrern und Studenten der Technischen Hochschule nahmen zahlreiche Bürger aus Wittmar und Umgebung teil. Die Festrede hielt der Ausschussvorsitzende Prof. Dr. Viereck aus Braunschweig. Am Einweihungstag wurde die Feuerschale erstmals befeuert. Am 21.06.1902 wurde bei regnerischem Wetter die Sommersonnenwende an der Bismarcksäule gefeiert. Durch ein starkes Gewitter am Vormittag des 01.07.1902 wurden die Südwestecke und die Nordseite des Podestsockels durch Blitzschläge beschädigt. Wegen der auf über 38.000 Mark gestiegenen Gesamtkosten der Bismarcksäule hatte man zunächst auf einen Blitzableiter verzichtet. Nach der Eröffnung waren bisher 1.400 Personen auf die Säule gestiegen. Der Eintrittspreis betrug für Erwachsene 10 Pfg. und für Kinder 5 Pfg. Ende Oktober 1902 wurde in einer Versammlung des Ausschusses Bericht über die Gesamtkosten der Säule erstattet. Bis auf 500 Mark konnten alle Rechnungen beglichen werden. Es wurde festgelegt, dass die Bismarcksäule in das Eigentum des Staates übergehen sollte. Die Sonnenwendfeier im Jahr 1903 wurde aufgrund der Einweihung der Bismarcksäule in Friedrichsruh auf den 27.06.1903 verschoben. Nach einem abendlichen Fackelzug der Studenten wurde die Feuerschale entzündet. Auch in den folgenden Jahren (bis mindestens 1906) wurde die Feuerschale zur Sommersonnenwende entzündet. Im Frühjahr 1905 lag die weitere Erhaltung der Säule immer noch in den Händen des Ausschusses. Durch den Tod des Obersteuerrendanten Merckel (nach anderer Quelle: Merkel) aus Wolfenbüttel, der sich im Jahr 1908 wegen Unterschlagung das Leben nahm, wurde der Bauplatz der Bismarcksäule Teil der Konkursmasse. Am 24.02.1909 fand eine Gläubigerversammlung statt, bei der von Stadtdirektor Floto der Antrag gestellt wurde, dass der in der Konkursmasse befindliche Bauplatz der Bismarcksäule „ohne Leistung einer Entschädigung an den Herzoglich Braunschweigischen Landesfiskus aufgelassen werden soll“. Am 09.03.1909 wurde das Grundstück vom Verwalter der Konkursmasse wie beantragt an den Stadtdirektor Floto aus Wolfenbüttel als Vertreter des Landesfiskus aufgelassen. Aufgrund der Witterungsschäden aus den vergangenen Jahren wurde die Säule im August 1909 erstmals umfassend saniert. Zahlreiche Sockelsteine wurden erneuert und die Podeste erhielten einen neuen Asphaltaufguss. Bis Mitte 1910 konnte die geplante Bismarck-Statue auf dem Postament über dem Turm-Eingang nicht realisiert werden. Bildhauer Bayer hatte im Auftrag des Ausschusses in seiner Werkstatt ein Bismarck-Wappen gefertigt, welches an der Säule angebracht werden sollte. Aus unbekannten Gründen wurde das Wappen nicht angebracht. Bis in die 1940er Jahre wurde zu bestimmten Anlässen ein Feuer auf dem Turmkopf entzündet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Land Niedersachsen Eigentümer des Turmes. Über viele Jahre hinweg war die Säule für Besucher verschlossen. Die Bezirksregierung in Braunschweig schloss im Jahr 1977 mit dem Heimat- und Verkehrsverein Asse e.V. einen Gestattungsvertrag über Nutzung, Betreuung und Reinigung der Säule ab, welcher im Jahr 1986 modifiziert wurde. Seit der Vertragsunterzeichnung ermöglicht der Verein Besuchern, den Turm vom 01.05. bis 30.09. jeden Jahres ständig zu öffnen. Von Oktober 1985 bis April 1987 wurde der Bismarckturm außen wegen Witterungsschäden, insbesondere wegen herabstürzender Gesteinsbrocken des Kalkmuschelgesteins der Säulenkrone, umfangreich saniert. Für insgesamt 100.000 DM wurde die gesamte Krone einschließlich der Aussichtsplattform erneuert und für eine gute Abführung des Regenwassers gesorgt. Für die Krone wurden neue Kalksteine aus Steinbrüchen bei Königslutter verwendet. Weitere Sanierungsmaßnahmen wurden in den Jahren 2006/2007 für insgesamt 20.000 EURO durchgeführt. Das gesamte Außenmauerwerk wurde neu verfugt, es wurden fünf neue Stahlträger unter der Aussichtsplattform angebracht und eine Haube für die brüchige Feuerschale angeschafft. Öffnungszeiten Jährlich vom 01. Mai bis zum 30. September ganztägig geöffnet Links HVA Asse (Geschichte des Turmes von Rainer Krämer, Wittmar) Quellen - Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 411 Bildmaterial - Christian Gerloff (September 2011) |
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HDR-Foto BT Wittmar von André Kolbe aus Wolfenbüttel am 01.04.2008
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