Update: 07.02.2012

Die Wacht am Rhein
Die Bismarcksäule in Köln

Angeregt wurde der Turmbau eines der ungewöhnlichsten Bismarcktürme, der am Oberländer Rheinufer, nur 50 m vom Rhein entfernt, errichtet werden sollte, Ende 1898 vom Ingenieur Franz Schultz aus Köln.

Am 28.12.1898 trafen sich mehrere Bismarck-Freunde in der Wohnung von Franz Schultz (Gereonsdriesch 17, Köln) und gründeten ein Lokal-Komitee, welches sich aus Oberlandesgerichts-Präsident Dr. jur v. Mallinckrodt, Prof. Hansen, Kommerzienrat Heidemann, Generaldirektor Lechner, Beigeordneter Piltz, Stadtrat Schmalbein, Geh. Baurat Stübben, Ingenieur Franz Schultz und weiteren Personen zusammensetzte.


Bauplanung und Finanzierung

Nach Anregung von Franz Schultz, der Kontakt mit A. Pflügler von der Burschenschaft Alemannia zu Bonn hatte, bildete sich ein Bismarck-Ausschuss, der sich auf die Suche nach einem geeigneten Entwurf für Köln machte. Mitglieder dieses Ausschusses fuhren nach Bonn, da dort alle Entwürfe des von der Deutschen Studentenschaft ausgelobten Bismarcksäulen-Wettbewerbes ausgestellt waren. Der Entwurf "Bismarcksäule" von Architekt Arnold Hartmann aus Berlin-Grunewald war unter die besten 30 Entwürfe gewählt worden und fand das Interesse des Kölner Denkmal-Ausschusses.

Der Ausschuss beauftragte den Architekten Arnold Hartmann, einen eigenen individuellen Entwurf für Köln zu schaffen. Noch im Jahr 1899 entwarf der Architekt einen Turm mit der Bismarckgestalt als Roland. Der Bismarck-Ausschuss in Köln entschied sich für den neuen Entwurf des Berliner Architekten.

Der Bauplatz des Turmes markiert den südlichen Endpunkt der linksrheinisch um die Stadt herumführenden Gürtelstraße.

Der Bayenthalgürtel (Baubeginn um 1900) bildet die Grenze zwischen den Kölner Stadtteilen Bayenthal im Norden und Marienburg im Süden.

Bereits im April 1900 sammelten die Kölner Spendenmittel für den Turm. Obwohl der Kölner Schokoladenfabrikant Stollwerck eine große Summe spendete, reichten die Spendengelder für die Realisierung des Entwurfes nicht aus. Aus diesem Grund wurde auf den breiten Unterbau ("künstlicher Felsenhügel") verzichtet. Da ohne den Unterbau, der den organischen Anschluss an den Platz bewirkt hätte, die Wirkung der Säule verloren gegangen wäre, plante man eine niedrige Pfeilergalerie mit vorgesetzten Postamenten.

Doch auch für diese Idee reichten die Geldmittel nicht, sodass man sich auf eine Idee von Fritz Encke zur Gartengestaltung einigte. Die massige Säule sollte durch buschige Bepflanzung (u.a. Efeu) zu Füßen Bismarcks betont werden. Man legte Wert darauf, dass die übrige Bepflanzung beschnitten werden sollte, damit die klaren Linien der Bismarcksäule erkennbar sind.

Am 20.06.1902 wurde mit dem Bau der Feuersäule ohne Aussichtsfunktion begonnen. Die Figur wurde aus rohen Basaltquadern aufgemauert und nachträglich von Bildhauer Adolf Berchem aus Köln bearbeitet. Die Gesichtsmaske des Roland wurde aus einem Steinblock gemeißelt und nach Fertigstellung der Rolandfigur hinzugefügt.

Als Bauleiter fungierte Baurat Heimann und ausführender Architekt war Wilhelm Asbach (beide aus Köln).


Baubeschreibung

Der Vorbau des Bismarckturmes zeigt eine 15 m hohe Rolandfigur, die im oberen Bereich plastisch aus dem Turm herausragt. Im unteren Teil geht die Figur in die massive Architektur des Turmes über. Der Kopf Bismarcks ist mit einem Helm bedeckt. Der wie ein Ritter gepanzerte Bismarck (Schulterbreite 5 m) hält einen großen Schild des Deutschen Reiches, auf dem sich ein als Relief erkennbarer stilisierter Reichsadler mit Krone befindet.

Die Figur wird links und rechts von jeweils zwei großen Strebepfeilern flankiert, aus denen seitlich das Eiserne Kreuz in Stein zu erkennen ist. Die Pfeiler sind mit einem Fries abgeschlossen, an denen jeweils ein bronzener Eichenkranz befestigt wurde (fehlt heute). Angelehnt an die 15 m hohe Figur erhebt sich der 27 m hohe Turm mit rechteckigem Grundriss.

Am Kopf des Turm befindet sich ein Aufbau mit vier rundbogenartigen Öffnungen. Über der östlichen Öffnung (Vorderseite) ist das Wappenemblem Bismarcks angebracht.

Durch die Darstellung als Roland ist Otto von Bismarck stark entindividualisiert dargestellt.

Als Baumaterial wurden dunkle Niedermengiger Basaltlava sowie gehauene Bruchsteine verwendet.

Eine geometrisch angelegte Grünanlage übernahm die Sockelfunktion. Auf dem Turmkopf wurde ein Feuerbecken angebracht, welches man durch eine eiserne Leiter im Innern des Turmes erreichen kann.


Geschichte des Turmes

Die Bismarcksäule wurde am 21.06.1903 feierlich eingeweiht. 3.000 Bürger nahmen an der Einweihung teil und leiteten die Einweihung durch Singen des von Max Schneckenburger (1819 - 1849) im Jahr 1840 gedichteten Liedes "Die Wacht am Rhein" ein. Bei der Einweihung wurde der Turm an die Stadt Köln übergeben.

Wegen Rauchbelästigung der Anwohner und ungenügender Flammenentwicklung auf der Feuerschale wurde die Bismarcksäule vor 1907 von den städtischen Gaswerken an die Gasleitung angeschlossen.

Das Gas wurde durch ein Rohrsystem in die Feuerschale geleitet und dort entzündet. Letztmalig wurde das Feuer im Jahre 1939 entfacht.

Im Frühjahr 1999 wurde das Bauwerk für 307.000 DM umfassend saniert.

Der Bismarckturm wurde erneut von März bis Juli 2001 saniert (Reinigung, Beseitigung von Einschusslöchern aus dem 2. Weltkrieg, Rekonstruktion des Metallaufsatzes und der Lorbeerkränze aus Kupfer an der Rheinseite, statische Sicherung im Inneren).

Im Frühjahr / Sommer 2008 erfolgte eine weitere Außensanierung des Turmes. Das Bauwerk ist durch Baumbewuchs rundum stark verdeckt.

Der Bismarckturm ist heute Teil des Kulturpfades Rodenkirchen (Tour 3, Station 1).


Bedeutung des Turmes

In dem zur Bismarck-Zeit sehr bekannten Lied "Die Wacht am Rhein", welches zur Einweihung gesungen wurde, wird die Frage aufgeworfen: "Wer will des Stromes Hüter sein?" Da in dem Lied die Deutschen aufgerufen werden, die Grenze zum damaligen "Erzfeind Frankreich" zu sichern, ist die Antwort auf die Frage die Bismarcksäule (als Wacht am Rhein) selbst. Die Säule sollte das ganze deutsche Volk repräsentieren, ist also Hüter der Grenze zu Frankreich, die durch den Rhein symbolisiert wird.

Viele Nationaldenkmäler wurden von den Deutschen direkt am Rhein gebaut, der als "deutsches Eigentum" gilt und symbolhaft den Feind (zu dieser Zeit die Franzosen) abwehren soll.

Architekt Arnold Hartmann steuerte auch beim Wettbewerb zum Bismarck-Denkmal in Hamburg (1901) einen Entwurf mit Bismarck als Roland bei, mit dem er den 4. Platz errang (ausgeführt wurde der Bismarck-Roland-Entwurf des Bildhauers Hugo Lederer und des Architekten Emil Schaudt). Architekt Arnold Hartmann behauptete gegenüber dem Hamburger-Denkmal-Komitee, dass er 1899 in Köln "die Rolandsidee zuerst wieder aufgenommen" habe.


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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 229-230
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 89 "Bismarck-Roland-Feuersäule zu Köln", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Ehrhardt, Max: Bismarck im Denkmal des In- und Auslandes, Thüringische Verlags-Anstalt Eisenach-Leipzig, 1903: 2. Teil, Nr. 58
- Zentralblatt der Bauverwaltung vom 10. Oktober 1903, S. 506-507
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes: 2. Jahrgang 1904 (Nr. 11/12, S. 5,6)
- Esters, Leonie: Facharbeit Geschichte "Bismarckverehrung und Nationalgedanke am Beispiel der Kölner Bismarck-Säule", Kaiserin-Augusta-Schule, Köln vom 07.03.2007
- Rieger, Wolfgang: "Der weite Blick aufs einig Reich", Praxis Geschichte, Heft 5, 1995
- Schilling, Jörg: "Distanz halten - Das Hamburger Bismarckdenkmal und die Monumentalität der Moderne", Wallstein-Verlag, Göttingen, S. 118ff.
- Schreiben vom Stadtkonservator der Stadt Köln, Dr. Beines, vom 19.06.2001


Fotos

Jörg Bielefeld, Remscheid (Fotos April 2008)


© 2001 - 2012 Text und Bilder (außer anders angegeben) - www.bismarcktuerme.de [Impressum]


Skizze von Architekt Arnold Hartmann
(mit ursprünglich vorgesehenem Unterbau)
Luftaufnahme Bismarcksäule Köln mit Rhein 1903