Update: 17.12.2009

Holzturm auf dem Holzberg
Der Bismarckturm in Malente

Der Bismarckturm Malente war einer von 13 hölzernen Türmen, der wie alle hölzernen Bismarcktürme keine lange Lebensdauer beschieden war.


Planung des Turmes

Nach Anregung des Pastors Paul Rathgens aus Malente trafen sich am 11.01.1902 im Köpkes Hotel zum Brahmberg 25 Bürger, um ein Lokalkomitee für die Errichtung einer Bismarcksäule zu gründen. Nach Vorschlag des Direktors Klücher aus Eutin sollte die Säule auf dem Malenter Godenberg als massiver Aussichtsturm aus Feldsteinen errichtet werden. Die Versammlungsteilnehmer spendeten dafür an Ort und Stelle 500 Mark. Die Gesamtkosten für den Turmbau wurden auf 6.000 Mark geschätzt.

Am 25.03.1905 änderte man jedoch den Standort, das Bauwerk sollte – nach durchgeführter Aussichts-Überprüfung vor Ort - wegen der besseren Rundumsicht auf dem 88 m hohen Holzberg bei Neversfelde errichtet werden.

Entworfen wurde der Turm von Architekt Conrad Heidenreich aus Charlottenburg bei Berlin. Für den Bau des 30 m Turmes schätzte der Architekt die Kosten auf ca. 20.000 Mark. Die Grundfläche sollte 6 m x 6 m betragen, der Eingangsbereich einen Vorbau von 3,5 x 6 m mit einem Satteldach erhalten. Über dem gemauerten Rundbogen-Eingang sollte die Inschrift „IHM NACH“ angebracht werden.

Für die Finanzierung des Bauvorhabens wurden Anteilsscheine zu je 25 Mark verkauft.

Bereits im Jahr 1906 waren 25.000 Mark an Spenden zusammengekommen, sodass am 26. August 1906 der Grundstein gelegt werden konnte. Träger dieses nach Plan bis Pfingsten 1907 abzuschließenden Bauvorhabens war der nun ins Vereinsregister eingetragene Bismarckturmverein. Beim Grundstückskauf kam es zu ungeplanten Verzögerungen, sodass sich die Baugenehmigung bis Ende 1907 hinzog.

Am 19.08.1907 berichtete der Pastor Rathgens, dass der größte Einzelspender, der Neversfelder Bürger Rohwer seinen zugesagten Betrag von 15.000 Mark wegen der Bau-Verzögerungen zurückgezogen hatte. Da die Gesamtfinanzierung nun wieder offen und keine anderweitige Lösung in Sicht war, entschied sich der Vorstand des Bismarckturm-Vereins für eine kostengünstigere Alternative: Den Bau einer hölzernen Warte nach Vorbild der Friedrich-August-Warte in Schwartau. Die Kosten dafür wurden auf ca. 12.000 – 15.000 Mark geschätzt, Architekt Heidenreich wurde mit der Planung beauftragt.

Bei einer Versammlung des Bismarckturm-Vereins wurde nun endgültig entschieden, dass ein Turm-Provisorium aus Holz errichtet werden sollte, um dieses später durch einen steinernen Bismarckturm zu ersetzen. Die Firma Steenbock aus Eutin wurde mit der Ausführung dieses Vorhabens beauftragt. Die Innentreppe sollte so gebaut werden, dass sie später an gleicher Stelle für den steinernen Turm verwendet werden konnte. Die hölzerne Außenverkleidung sollte dann als Baugerüst für den neuen Turm dienen.


Bau des Holzturms

Die Freigabe des 28 m hohen Holz-Turmes erfolgte am 28.06.1908. Eine feierliche Einweihung wurde wegen des provisorischen Charakters des Bauwerkes nicht durchgeführt. Der Holzberg wurde nun in Bismarckhöhe umbenannt.

Kurz nach der Freigabe wurde auf einer Freifläche am Turm eine Holzhütte mit Schankraum zwecks Bewirtung von Wandergruppen errichtet. Diese Gastwirtschaft wurde verpachtet und bis Ende 1917 betrieben.

Über eine Treppe mit 150 Stufen und Zwischenpodesten gelangte man zur Aussichtsplattform. Für die Besteigung musste ein Entgelt von 10 Pfennig entrichtet werden.


Geschichte des Turmes bis 1918

Im Jahr 1910 wurden 4.900 Besucher, im Jahr 1911 insgesamt 6.084 Besucher gezählt, die den Ausblick auf die Holsteinische Schweiz genießen wollten.

Mit Beginn des 1. Weltkrieges nahmen die Besucherzahlen deutlich ab. Die noch abzutragenden Kosten an die Firma Steenbock konnten nicht mehr vom Verein getragen werden. Im Jahr 1917 wurde das hölzerne Bauwerk durch Stürme beschädigt, die Reparatur sollte 800 Mark kosten.

Am 28. Februar 1918 wurde die Liquidation des Bismarckturm-Vereins beschlossen, da die Kosten für die notwendigen Reparaturarbeiten nicht aufzubringen waren.

Bereits im Frühjahr 1918 wurde der Turm abgebrochen. Die Bismarckhöhe wurde wieder in die ursprüngliche Bezeichnung Holzberg geändert. Reste des Turm-Fundamentes waren noch im Jahr 2005 zu erkennen.


Weitere Planungen und Bau des Holzbergturms

Im Jahr 1977 plante man, auf dem Holzberg erneut einen 40-50 m hohen Aussichtsturm zu errichten. Aus Kostengründen wurde dieses Vorhaben nicht realisiert.

Nach Gründung des Neversfelder Verschönerungsvereins e.V. im Jahre 1996 konnte der von Helmut Bahlert gemachte Vorschlag, einen hölzernen Aussichtsturm zu errichten, in den Jahren 2004/2005 umgesetzt werden.

Der 28,85 m hohe Turm, der durch Spendensammlungen finanziert wurde, konnte im Juli 2005 nur wenige Meter vom ursprünglichen Standort des Bismarckturmes eröffnet werden (Gesamtkosten: 40.000 €).


Links

Holzbergturm Neversfelde bei Wikipedia
Google Maps
Google Earth


Quellen:

Seele, Sieglinde – Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg 2005
Bartels, Hans Joachim - Chronik von Malente Gremsmühlen, Husum Verlag Husum 2008


Entwurf des steinernen Bismarckturms Malente