Update: 12.08.2011

Die Säule an der Rothenburg
Der Bismarckturm im Kyffhäuser-Gebirge

Bauplanung

Der Bau dieses Bismarckturmes wurde vom Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten (VDSt) auf der 19. Verbandstagung in Kelbra am 05.08.1899 angeregt.

Dieses Bauwerk sollte auf der Rothenburg errichtet werden. Die Studentenschaft hatte über viele Jahre eine besondere Beziehung zum Kyffhäuser und zur Rothenburg, da beide im 19. Jahrhundert Sammelpunkte nationaler Bestrebungen von unterschiedlichen Gruppierungen waren. Dazu gehörten studentische Verbindungen von Universitäten und Hochschulen aus Berlin, Greifswald, Halle, Kiel, Breslau usw.

Aber erst im Jahr 1903, auf der 23. Verbandstagung des VDSt im August 1903, wurde beschlossen, den rechtsfähigen Verein „Bismarcksäule des Kyffhäuser-Verbandes“ zu gründen. Dieser Verein sammelte Spendengelder und sorgte für die Errichtung der Säule. Im Jahre 1903 lag der Entwurf eines ehemaligen Lüneburger Studenten vor, der eine schlanke Säule (in dreieckiger Form) auf den Westausläufern des Kyffhäusers plante.

Ende 1904 stellte der Grundstückseigentümer Fürst Günter v. Schwarzburg-Rudolstadt die sog. Aussichtsterrasse der Rothenburg sowie einen nahe gelegenen Steinbruch kostenlos zur Verfügung. Dieses Grundstück liegt am Nordhang des Kyffhäusergebirges (Altendörfer Klippen) oberhalb der Stadt Kelbra, nicht weit vom Kyffhäuser-Denkmal entfernt.

Es wurde ein (beschränkter) Wettbewerb für den Entwurf einer Bismarcksäule durchgeführt, bei dem auch Prof. Wilhelm Kreis einen Entwurf einreichte.

Auf der 25. Verbandstagung des VDSt im August 1905 in Kelbra entschied man, den Architekten Wilhelm Kreis mit der Ausführung seines individuellen Bismarcksäulen-Entwurfs zu beauftragen, der sich in der Form an die mittelalterliche Rothenburg-Ruine anlehnen sollte und der eine Innenhalle enthalten sollte.


Bauarbeiten und Einweihung

Der Bau der Säule als unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk in verlängertem Zementmörtel begann im Juni 1906. Als Baumaterial verwendete man roten Kyffhäuser-Sandstein aus dem nahe gelegenen Mühlensteinbruch an der Windluke für die Außenverkleidung. Für die Hintermauerung wurden Ziegelsteine verwendet.

Ausgeführt wurde der Bau durch die Baumeister Hermann Bloßfeld und Karl Rockenfuß aus Kelbra, als Bauleiter fungierte Architekt Curt Einert aus Leipzig.  

Architekt Einert änderte den Entwurf von Wilhelm Kreis in mehreren Details ab (z.B. zusätzliches verkröpftes Gesimsband im Bereich der Adlerpodeste).

Die die Turm-Halle abschließende Eisenbetonkuppel wurde von der Fa. Rudolf Wolle aus Leipzig gebaut. Die Adlerplastiken wurden von einer Dresdner Kunststeinfabrik gefertigt.

Bei der Einweihung des Turmes, am 05.08.1906 (25. Jahrestag der Gründung des Kyffhäuserverbandes), war der Turmbau noch nicht vollendet, ca. 1,5 m fehlten noch an der geplanten Höhe. Die Einweihungs- und Festrede hielt Freiherr von Zedlitz sowie Neu vom  Kultusministerium.


Baubeschreibung

Der Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit hat einen rundem Grundriss (Durchmesser 12 m). Auffällig sind elf Strebepfeiler und die dazwischen liegenden neun Sprossenfenster rund um den Turm. Die Pfeiler (als visuell dominante vertikale Elemente des Turmes) sind jeweils von einem sitzenden steinernen Adler bekrönt.

Oberhalb der Rednerkanzel wurde an der Außenwand des Turmes eine Gedenktafel mit der Inschrift

Dem Andenken Bismarcks geweiht. Kyffhäuser Verband Deutscher Studenten
- 5. August 1906. 1881 – 1906

angebracht.

Der Bismarckturm mit rundem Sockel lehnt sich an die Ruine Rothenburg an. Bindeglied zwischen dem 1,25 m dicken und zu dieser Zeit ca. 9-10 m hohen Ruinengemäuer  und dem Turm ist ein eingeschossiges Eingangs-Gebäude mit Pfettendach (3,52 m x 3,89 m).

Vom Vorplatz des Turmes aus gesehen erreicht man über sechs breite Stufen die Rednerkanzel (Altan) sowie den Zugang zu einer um den Turm laufenden Freitreppe. Über diese gelangt man zum Zugang der kapellenartig angelegten, 12 m hohen Turm-Halle (Durchmesser: 8,68 m) und zum Turmumgang. Die Halle erhält durch mehrere, in 4,7 m Höhe (am Sturz 7,0 m) eingelassene Fenster (0,7 m x 2,0 m) Licht.

Über einen separaten schmalen Treppenhausturm (äußerer Durchmesser 2,65 m, innerer Durchmesser 1,75 m) neben dem Eingangsgebäude konnte man über eine hölzerne Wendeltreppe das Hauptgesims erreichen. Der Treppenlauf mündete oberhalb der Stahlbetonkalotte in die Turmkonstruktion. Über eine Wendeltreppe gelangte man zum verjüngten Teil des oberen Turmgeschosses mit der Feuerschale.

Bei der Feuerschale handelt es sich um eine runde Eisenpfanne von 3,1 m Durchmesser. Die Befeuerung erfolgte jeweils mit fünf Litern Pech und vier Ballons Petroleum. Durch dieses Gemisch wurde eine Flammenhöhe von 5 m bei einer Brenndauer von einer Stunde erreicht.


Turmgeschichte

Im Oktober 1906, zwei Monate nach der Einweihung, waren die Bauarbeiten beendet.

Im Jahre 1913 erfolgte eine Vergrößerung der dem Turm vorgelagerten Terrasse auf 40 m Durchmesser.

Im Inneren der Halle wurden ursprünglich die Wappen aller 25 Verbandsvereine aufgestellt.

Auf der 37. Verbandstagung des VDST in Kronach beschloss man, die Halle des Turmes in eine Gedächtnisstätte für die etwa 800 Gefallenen des Kyffhäuser-Verbandes im 1. Weltkrieg umzubauen. Im Jahr 1922 lagen die Pläne zur Gestaltung der Gedenkhalle vor, im Jahre 1925 wurden die Pläne realisiert. In der Halle wurde ein nackter Jüngling (aus Metall) als "Gedächtnismal" aufgestellt.

Nach der Auflösung des Verbandes (VDSt) im Jahr 1938 ging das Bauwerk zunächst in das Eigentum der Hitlerjugend (bis 1945) über. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde der Kyffhäuserverband (Neugründung 1951 als VVDSt – Verband der Vereine Deutscher Studenten) Eigentümer des Bauwerkes.

Das Gedächtnismal wurde nach dem 2. Weltkrieg zerstört.

Anfang der 1990er Jahre wies das Bauwerk bereits zahlreiche Schäden auf:
Fenster sind beschädigt oder nicht mehr vorhanden, Natursteinmauerwerk ist an mehreren Stellen schadhaft, die Stahlträger der Decke des Daches sind korrodiert, der Treppenturm incl. Holztreppe ist beschädigt.

Im Jahr 1992 wurde auf der 111. Verbandstagung der Vereine Deutscher Studenten in Marburg beschlossen, dass die Mitglieder des VVDSt die Pflege der Bismarcksäule übernehmen.

Eine notwendige Sanierung konnte aus Kostengründen jedoch nicht erfolgen.

Der VVDSt brachte am Turm eine Gedenktafel mit der Inschrift:

Bei dem von 800 Studenten besuchten Kyffhäuserfest auf der Rothenburg schloßen sich am 8. August 1881 die Vereine Deutscher Studenten Berlin, Leipzig, Halle, Charlottenburg, Greifswald und Kiel zum Kyffhäuser-Verband zusammen. Im Rahmen des von einem Ausschuß der Bonner Studentenschaft ausgehenden Aufrufes, Bismarck durch den Bau von Säulen zu ehren, errichteten die Vereine Deutscher Studenten eine Bismarcksäule bei der Rothenburg und weihten sie anläßlich ihres 25jährigen Jubiläums am 5. August 1906 ein. Bismarckdenkmäler waren überall in dem noch jungen Deutschen Reich Symbole der nationalen Sammlung verschiedener Bevölkerungsschichten und historischer Länder

an.

Der Kyffhäuser-Fremdenverkehrsverband sicherte den Turm zwecks Verhinderung weiterer Vandalismusschäden durch Eisentüren.

Mitte der 1990er Jahre wurde das Gelände der Rothenburg an einen Autohausbesitzer aus Heiligenstadt verkauft, der auf dem Gelände Technopartys feiern wollte. Doch diese Planungen wurden nie realisiert.

Im Jahr 1997 war der Turm nicht zugänglich, alle Eingänge waren mit Eisentüren verschlossen. Das Eingangsgebäude war ohne Dach und Türen, die Gedenktafeln nicht mehr vorhanden und die Gedächtnishalle ohne Ausstattung. Die hölzerne Wendeltreppe war nicht mehr begehbar.

Anfang 2000 wurde das 20.000 m² große Areal der Rothenburg von einem Bäcker und Konditor aus Dinslaken für einen hohen sechsstelligen Betrag erworben. Geplant waren eine Jugendherberge, der Ausbau des Zufahrtweges und die Sanierung der Gebäude.

Im Februar 2008 wurde festgestellt, dass die steinernen Adler auf dem Turm locker sind und herabstürzen können. Das Bauverwaltungsamt des Kreises schickte dem Eigentümer am 11.02.2008 eine Aufforderung, die Gefahrenquellen am Denkmal Rothenburg incl. Bismarckturm zu beseitigen oder das gesamte Gelände abzusperren.

Doch bis 2010 wurde dazu allerdings nicht der erforderliche  Umnutzungsantrag gestellt. Das Gelände der Rothenburg blieb durch einen Zaun abgesperrt.

Im Herbst 2010 erwarb ein Unternehmer aus Baden-Württemberg das zwei Hektar große Areal mit den Gebäuden. Eine fachgerechte Sanierung soll erfolgen. Als erste Maßnahme sollen die Außenanlagen in einen gepflegten Zustand verbracht werden. Das Sanierungsvorhaben soll voraussichtlich bis 2016 dauern.

Die Bismarcksäule steht heute unter der Trägerschaft des Kyffhäuserkreises. Sie wird verwaltet durch den Kyffhäuser-Fremdenverkehrsverband in Bad Frankenhausen.


Links:

Verband der Vereine deutscher Studenten (VVDSt)

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Quellen

- Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarck-Denkmäler, Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 239-240
- Zeitschriften des Bismarck-Bundes; 4. Jahrgang 1906 (S. 60, 111, 189); 10 Jahrgang 1912 (S. 178)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 128 "Bismarck-Feuersäule im Kyffhäuser-Gebirge", 1900 - 1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Franken, Friedrich K.H.M.: "Kontinuität und Wandel in Leben und Werk des Architekten Wilhelm H. Kreis“, Dissertation Technische Hochschule Aachen, 1996, S. 72-86
- Zirlewagen, Marc: „100 Jahre Bismarcksäule der Vereine Deutscher Studenten“ in 125 Jahre Verein Deutscher Studenten, Band I, hrsg. von Marc Zirlewagen, Akademischer Verein Kyffhäuser e.V., Bad Frankenhausen 2006


Fotograf:

Jörg Bielefeld, Remscheid (Oktober 2007)

Foto Bismarckturm Kyffhäuser Oktober 2007
AK Motiv Bismarckturm Kyffhäuser
Foto Halle Bismarckturm Kyffhäuser Oktober 2007
AK Einweihung Bismarckturm Kyffhaeuser
Foto Aussicht Bismarckturm Kyffhäuser Oktober 2007