Update: 13.04.2008

Bismarckturm im Grenzgebiet
Der Bismarckturm in Vacha

Der Rhönklub, Zweigverein Vacha, regte den Bau dieses Bismarckturmes an. Es wurde ein Denkmal-Komitee unter Vorsitz des Apothekers Meyering aus Vacha gebildet.

Von drei eingereichten Entwürfen des durchgeführten Architektenwettbewerbs entschied sich der Ausschuss unter Vorsitz des Apothekers Meyering aus Vacha für das Modell des Architekten und Maurermeisters Walter Heerwagen aus Eisenach, der beim Bau auch als Bauleiter fungierte.

Als Bauplatz wählte man die nördlichste Basaltkuppe des Rhöngebirges, 630 m über NN, aus.

Als Außenmaterial für den Aussichtsturm mit abnehmbarer Feuerschale wurden Basaltsteine verwendet, die in der Nähe des Bauplatzes gebrochen wurden. Für den Transport von Zement und Kalk stellte Kommerzienrat Dobenecker seine von Vacha zu den Basaltsteinbrüchen führende Drahtseilbahn kostenlos zur Verfügung. Vom Endpunkt der Bahn bis zur 2 km entfernten Baustelle übernahmen Esel den Transport.

Als Hintermauerung verwendete man gestampften Zementbeton. Die Etagendecken wurden mit Eichenholz verkleidet, die oberste Decke mit Stampfbeton.

Nur wenige Monate nach Grundsteinlegung konnte die Einweihung am 02.09.1902 erfolgen. Die Festrede hielt Dr. Löber aus Vacha.

Den Eingang bildete ein erkerartiger Vorbau, auf welchem ein Balkon für die 1. Etage eingerichtet wurde.

Auf der Vorderseite des Turmes, zwischen den Fenstern der ersten und zweiten Etage, wurden ein Bismarck-Wappen und Bismarck-Medaillon, beide aus Bronze, angebracht. Dieser Schmuck wurde von Rittergutsbesitzer Rolle aus Frauensee gestiftet.

Eine Treppe im Innern führte zur Aussichtsplattform. Die Räume in den drei Geschossen wurden als Gaststättenräume eingerichtet.

Die abnehmbare, runde Feuerschale auf dem Turmkopf (Durchmesser 2 m, Material Eisenblech, Kosten 30 Mark) wurde mit Scheitholz und Petroleum befeuert.

Im Jahr 1924 wurde bei Sanierungsarbeiten die Feuerschale auf der Aussichtsplattform des Turmes beseitigt und ein Pyramidendach aufgesetzt. In den 1920er Jahren wurde der Oechsenberg ein beliebtes Ziel für Besucher. Der Rhönclub weihte am 18. Juli 1931 ein massives Gasthaus neben dem Turm ein. Im Juni 1938 verfügte der Wirt über fließend Wasser, Telefon und elektrisches Licht.

Aufgrund der Grenznähe und des kontinuierlichen Basalt-Abbaus wurde der Oechsenberg nach dem 2. Weltkrieg unattraktiv für Besucher. Die Gebäude und Außenanlagen verfielen. Der letzte Wirt verließ 1963 den Oechsenberg. Der Bismarckturm erfüllte nur noch den Zweck als geometrischer Basismesspunkt.

Offiziell wurde der Turm wegen Erweiterung des Basaltabbaus am 11.11.1978 gesprengt. Inoffiziell ermöglichte der im ehemaligen Grenzgebiet liegende Bismarckturm zu DDR-Zeiten einen Blick in den Westen.

Im Jahr 1986 wurde der Basaltabbau eingestellt, nachdem die Bergkuppe des Oechsenberges um ca. 15 m abgetragen worden war.

Im Jahre 1998 wurde auf dem Gipfel des Oechsenberges (seit 1989 Naturschutzgebiet) eine Schutzhütte nebst Gipfelkreuz errichtet.


Link Google Maps

Links Google Earth (kmz-Datei)


Dank an Otto Augsten aus Unterbreizbach für Informationen und Foto (unten)

Ehemaliger Standort auf dem abgetragenen Oechsenberg,
Fotograf: Otto Augsten, Unterbreizbach